London 2012

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Mittwoch, 22 August 2012 17:28

Inspire a generation

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So lautete das Motto der Olympischen Spiele und das war auch ich. Dass es endlich los geht, konnte ich erst am Tag des Abflugs richtig realisieren.

2 Tage vor der Eröffnungsfeier trafen wir im olympischen Dorf ein. Man bekommt von diesem immer viel erzählt, aber so richtig kann man sich sein Bild erst machen, wenn man es mit eigenen Augen sieht und man gar nicht weiß wohin man als erstes schauen soll.

Hauptattraktion ist die Dining Hall gewesen, die so riesig ist, dass man sich manchmal zum Essen gar nicht mehr findet, wenn man sich nirgendwo verabredet. Beim ersten Frühstück hab ich 10 Minuten gebraucht um den Käse zu finden. In den ersten Tagen verliefen die Unterhaltungen beim Essen sehr ruhig, da so viel los war, dass man ständig irgendwo hinschauen muss.


Trotz des olympischen Feelings konnte ich mich in der Wettkampfshalle voll auf mein Training konzentrieren. Mein erstes Spiel war am 29. Juli morgens gegen die Britin Joana Parker. Da ich schon morgens um 9 Uhr an den Tisch musste, hatte ich die Eröffnungsfeier schon abgehakt. Umso größer war meine Freude, als ich erfuhr, dass Dudu und ich nun doch mitgehen können, da es nach dem Einmarsch eine Möglichkeit gibt, das Stadion direkt zu verlassen, so dass wir um 23:15 wieder in unserem Apartment waren. Der Einmarsch zählt mit Sicherheit auch zu meinen Top-Highlights. Tausende Leute am Rand begleiten die Mannschaften zum Stadion mit lautstarken Rufen und das ist nur ein Vorgeschmack dessen, welche Stimmung beim Einmarsch der Nationen herrscht. Kurz vorm Stadioneingang wurde mir bewusst, dass ich Teil der deutschen Olympiamannschaft bin, dass mein Traum in Erfüllung geht und dieses Gefühl war und ist immer noch unbeschreiblich.

Am nächsten Tag hab ich mir das Erstrundenspiel von meinen möglichen Gegnerinnen angeschaut. Ich war froh, dass ich dieses Spiel in der Halle angeschaut habe und nicht im Fernsehen, denn die Stimmung war überwältigend. Als die Britin in die Halle gekommen ist, hat die ganze Halle gejubelt und dementsprechend auch bei jedem Punkt und letztendlich bei ihrem Sieg. Schon als Zuschauer auf der Tribüne, war ich nervös und das war nicht zu vergleichen mit dem nächsten Tag als ich zu meinem ersten Olympiamatch aufgeschlagen habe. Eine halbe Stunde vorm Spiel muss man in einem „Call Room“ sein, wo das Outfit nach der „Rule 50“ (nur ein Werbezeichen von dem DTTB/DOSB Ausrüster pro Kleidungsstück) kontrolliert wird. Kurz davor hab ich den australischen Trainer Jens Lang getroffen, der mir ein paar emotionale Worte gesagt hat und ich habe keinen Ton rausbekommen, weil ich einfach zu nervös, emotional,... war. Jeder Sportler träumt davon bei Olympia zu sein und als ich unter tosenden Beifall mit den anderen Spielerinnen in die Halle einmarschiert bin, wurde mir so richtig bewusst, was du geleistet hast um das zu erleben. Beim ersten Ball wusste ich aber das dieses Spiel meins sein wird, denn ich hab mich schon in der Vorbereitung in guter Form gefühlt und konnte meine Nervosität mit Konzentration ausgleichen.

Ein schönes Gefühl war es auch, dass mein Freund, mein Bruder und meine Eltern in der Halle waren um mich zu unterstützen und somit diesen Moment mit mir teilen konnten. Nicht zu vergessen meine Schwester mit Familie, die das Spiel im Fernsehen gesehen haben, da meine Schwester zu diesem Zeitpunkt hochschwanger war. Nach meinem 4:1 Sieg gegen die Britin war ich schon etwas erleichtert, da der Heimvorteil für die Britin im eigenen Land schon groß war, aber das britische Publikum war absolut fair und ich hatte ja auch meine Unterstützer.

Nach den Matches wurden auch die Verlierer nochmal bejubelt und wenn man aus dem Innenbereich raus geht, sieht man wie viele Zuschauer von dem Sport begeistert sind und einem ihre Anerkennung aussprechen. Man merkt, dass man stolz drauf sein kann, hier aufzuschlagen. Gefreut habe ich mich auch über die zahlreichen Nachrichten bei Facebook und Twitter. Zig Nachrichten habe ich nach meinem ersten Spiel erhalten, da dieses live im Fernsehen übertragen worden ist. Schade dabei ist, dass man dann merkt, dass auch Frauentischtennis die Leute begeistern kann, aber wir in unserem Sport fast nie die Möglichkeit haben, das zu zeigen.

In der 3. Runde (Platz 19-32) war dann allerdings Schluss für mich im Einzelwettbewerb. 2:4 habe ich gegen die Weißrussin Viktoria Pavlovich verloren. Aber bis zum 2:2 war es aus meiner Sicht ein super Spiel und ich hätte zu diesem Zeitpunkt nicht besser spielen können. Deswegen bin ich auch nicht unzufrieden, sondern muss einfach anerkennen, dass meine Gegnerin einfach besser war. Positiv ist für mich auch, dass ich noch einige Schwächen habe, an denen ich arbeiten muss, so dass hoffentlich noch Steigerungspotential da ist.

Im Mannschaftswettbewerb haben wir mit dem 5. Platz unsere Setzung erfüllt. Nach dem Achtelfinalsieg gegen Australien (3:0), unterlagen wir Japan mit 0:3 im Viertelfinale. Ein wenig enttäuscht waren wir nach der Niederlage schon, denn wir alle haben nach der WM in Dortmund irgendwie daran geglaubt, dass wir auch mehr erreichen können. Aber nichts desto trotz war ich mit meiner Leistung bei meinem Olympiadebut sehr zufrieden.

Die letzten Tage bis zur Abschlussfeier habe ich genutzt um mir möglichst viel von der Stadt anzusehen und von den anderen Sportarten. Highlight war mit Sicherheit das 100m Finale der Männer und die Abschlussfeier. Die Abschlussfeier war einfach gigantisch. Zig Superstars sind aufgetreten (George Michael, Take That, The Who, Russell Brand, Spice Girls,...), aber auch emotionale Momente waren dabei. Jacque Rogge sagte in seiner Rede, dass wir von diesen Moment an Olympioniken sind und ich glaube das jeder Athlet oder besser gesagt Olympionike der im Stadion war, in diesem Moment stolz auf sich war.

Was die Spiele besonders ausgezeichnet hat, waren unter anderem die Volunters, die immer hilfsbereit waren, top organisiert waren und die England als Gastgeberland perfekt vertreten haben. In Erinnerung wird mir auch bleiben, wie die Zuschauer ihr „Team GB“ so positiv unterstützt haben, dass viele dadurch über ihr Limit gehen konnten. Aber auch alle anderen Sportler/innen durften die Unterstützung und Begeisterung der Zuschauer spüren. „We make the games“ hieß ein Werbeslogan der Briten und das haben sie auch. Es hat unglaublich großen Spaß gemacht in London zu spielen und auch wenn ich keine Vergleichsmöglichkeiten haben, war dieses Olympia für mich absolut gigantisch.

Für mich und ca. 200 anderen deutsche Athleten und deren Begleitungen ging es dann mit der MS Deutschland, dem Traumschiff, Richtung Hamburg, wo wir einen unglaublichen Empfang hatten. Tausende Fans feierten unsere Rückkehr und unsere Medaillengewinner. Schon bei der Hafeneinfahrt begleitenden uns ca. 90 Schiffe, von denen viele die „Wir für Deutschland“ Flagge gehisst hatten. Nachdem tausende Fans unsere Olympiamannschaft im Hafen gefeiert hatten, ging es mit Barkassen auf der Elbe Richtung Rathaus. Auch dort standen hunderte Fans an jeder Brücke und haben uns zugejubelt, was durch den 100m langen Teppich zum Rathaus hin unter begeisterten Beifall, noch gekrönt wurde.

Auch eine Woche nach Olympia ist das Gefühl und meine Erinnerung an London beflügelnd. Natürlich bin ich stolz auf mich, dass ich Teil dessen war, aber wessen Außenwirkung dieses Event hat, damit habe ich nicht gerechnet. Wenn Eltern zu ihren Kindern sagen: „Oh my god, she is an olympian. That’s amazing!“ gehört das auch zu den kleinen aber doch großen Momente, in denen man merkt, welche Leistung man gebracht hat, um Olympionikin sein zu dürfen.

Und getreu dem Motto „Nach Olympia ist vor Olympia“ geht’s jetzt wieder mit der Saisonvorbereitung los. Da ich im Oktober eine Ausbildung zur Physiotherapeutin anfange, wird der Weg zu den Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro kein einfacher werden, aber das war er nach London auch nicht. Und mit der Unterstützung von meinem Umfeld, glaub ich das ich es schaffen kann. Und wenn nicht, bin ich trotzdem noch Olympionikin.

 Eure Kristin

 

 

gelesen 18618 mal letzte Änderung: Sonntag, 05 Februar 2017 16:38
Kristin

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