London 2012

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Sonntag, 15 Juli 2012 11:07

Under observation

Autor:  Erwin Plattenberger
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Under observation – Teil 1 der Analyse von Kristins Spiel

 

Dass Kristin während der Olympiade in London von den tausenden an U-Bahn-Stationen und öffentlichen Plätzen installierten Kameras überwacht wird, ist klar. Aber schon vor dem Beginn der Olympischen Spiele wurde Kristin kritisch beobachtet. Denn Tischtennis- und Asienkorrespondent Erwin Plattenberger hat im Rahmen der Olympiavorbereitung für Kristin eine umfangreiche Analyse ihrer technischen und taktischen Stärken und Schwächen erstellt, vor allem auf Basis von Videomaterial. Einen exklusiven 1. Auszug aus der Analyse mit dem Fokus auf Kristins Schwächen könnt Ihr hier lesen:

 

Spielerin: Kristin Silbereisen, 27 Jahre

 

Spielsystem (Kurzbeschreibung): Beidseitig Angriff; Vorhand insgesamt dominanter; Rückhand jedoch überm Tisch dominant; Tempo vs. Spin: 80% zu 20%

 

Datenquellen: Pro-Tour-Turniere 2010-2012, Mannschaftsweltmeisterschaft 2012 in Dortmund, Europameisterschaft 2010 in Stuttgart
(sowohl youtube als auch eigene Aufnahmen)

Fokus der Analyse: Partien gegen Spielerinnen aus Asien, insbesondere Ai Fukuhara (Japan) und Li Jiawei (Singapur)

 

Teil 1 – Zentrale Schwächen:

 

  1. Vorhandtopspin aus TischmitteAnalyse: Kristin richtet sich in Tischmitte oft auf, insbesondere wenn sie mit der Vorhand auf Punkt zieht. Wenn sie zu spät zum Ball kommt, spielt sie eher unkontrolliert aus der Hüfte. Tipp: Bewusst den Körper nach vorne beugen, notfalls einen 90%-Topspin ziehen. Wenn zu spät zum Ball, dann einen kontrollierten Topspin mit viel Effet spielen, den Ball ruhig etwas fallen/springen lassen.

 

  1. Auflösung von Unterschnitt im KurzspielAnalyse: Sowohl auf kurze Unterschnittaufschläge, als auch auf kurzgelegte Bälle tut sich Kristin schwer, das Spiel zu gestalten. Es folgen oft einfache Schupfbälle oder ein harmloser kurzer Ball, die vor allem von Spielerinnen aus Asien zum Angriff genutzt werden. Tipp: Unberechenbar(er) das Unterschnitt- und Kurzspiel auflösen. Wenn Schupf, dann aggressiv und platziert in die oft harmlosere Rückhand. Wenn kurz, dann in Mitte-Vorhand (um einen Rückhandtopspin über Tisch zu vermeiden, siehe eigene Stärken in Teil 2 der Analyse). Bewusst Schnitt (auch ein leerer Schupf kann überraschen!) und Platzierung variieren, auch einmal einen frechen Flipp spielen und einen Ball „drehen“ oder abklappen, kurz gesagt: kreativ(er) sein!

 

  1. Tempo-Spin-VariationenAnalyse: Im Offensivspiel spielt Kristin oftmals zu unkontrolliert auf Punkt. Es folgen leichte Fehler durch Abkantungen oder zu hohes Tempo. Tipp: Den Abschlussball sauber vorbereiten. Dies kann durch einen gut platzierten (z.B. auf Körperbereich) 90%-Ball erfolgen oder durch einen sehr spinnigen Ball in die Rückhand, die Kernfrage sollte sein: Muss ich diesen Ball zwingend auf Punkt spielen? Gute Kombinationen: Zwei Mal in Rückhand, dann in tiefe Vorhand oder Körper  - 1. Ecke – 2. Ecke.

 

Fazit: Durch die bewusste Kontrolle dieser Schwächen kann Kristin im Schnitt je Satz 1-2 Punkte mehr erzielen. Mit einem Blick auf die Turnierergebnisse der letzten 3 Jahre sind damit auch Spitzenspielerinnen aus den Top 20 regelmäßiger zu schlagen, denn viele Sätze aus scheinbar klaren Niederlagen bewegten sich in der Bandbreite 8-11 bis 10-12.

 

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Coming next:  Teil 2 – Zentrale Stärken

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