London 2012

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Samstag, 07 Juli 2012 20:48

Interview: London calling - über Hoffnung & Realismus

Autor:  Erwin Plattenberger
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London calling -  über Hoffnung und Realismus

Im zweiten Interview mit Kristin unterhält sich Tischtennis- und Asienkorrespondent Erwin Plattenberger über ihre Medaillenträume bei den Olympischen Spielen in London.

 

Erwin Plattenberger: Kristin, wie weit kommst Du in London?

Kristin (überlegt kurz): Puh, also Achtelfinale wäre schon sehr gut…

Erwin Plattenberger (unterbricht Kristin): …Stop mal: Du fährst doch nicht nach London, um ins Achtelfinale zu kommen. Das kaufe ich Dir nicht ab.

Kristin (grinst): Naja, eine Medaille wäre schon sensationell, aber das wird fast unmöglich. Das ist ja auch meine erste Olympiade.

Erwin Plattenberger: Das ist mir schon viel zu rational. Gut, ganz rational gesprochen, wird es natürlich sehr schwer. Laut Weltranglistenplatzierung wirst Du nicht vorne mitmischen können, vor Dir sind aktuell alleine 13 Chinesinnen, dann noch 4 Japanerinnen, das ist ja schon die Besetzung eines Achtelfinales. Aber im Sport ist doch nicht alles rational. Boris Becker in Wimbledon zum Beispiel.

Kristin: Ja, oder die Griechen, die waren war ja auch mal Fußballeuropameister.

Erwin Plattenberger: Genau, und Du bist ja im Tischtennis definitiv besser als Griechenland im Fußball, also warum kann nicht auch mal ein kleines Tischtennis-Wimbledon passieren?

Kristin: Naja, Europa ist nicht gerade die Wiege des Tischtennis, das heißt selbst gut in Europa zu sein heißt weltweit noch nicht viel. Auf der anderen Seite liegt man schon mal abends im Bett und rechnet durch, wie man in der bereinigten Weltrangliste steht, wen man schon einmal geschlagen hat und so.

Erwin Plattenberger (verwirrt): Das verstehe ich nicht. Was ist die bereinigte Weltrangliste?

Kristin: Im Einzelwettbewerb dürfen in London nur maximal 2 Spieler aus einem Land an den Start gehen, das heißt auch nur 2 Chinesinnen und 2 Japanerinnen zum Beispiel.

Erwin Plattenberger: Das ist ja klasse für Dich. Dann bist Du ja irgendwo an Setzposition 20 oder so.

Kristin: Genau, deswegen habe ich auch die 1. Runde frei. Auf jeden Fall hofft man dann schon ab und zu, das man einen guten Turnierstart erwischt,  und dann in Runde 3. gegen eine sehr starke Spielerin kommen kann, die man schon ein paar Mal geschlagen hat, wie zum Beispiel die Fukuhara aus Japan, die ist momentan die Nr. 7 die Welt. Und wenn ich gegen so eine Spielerin dann gewinne, und dann noch auf einmal noch ein sehr gutes Spiel mache, dann ist man auf einmal sehr weit vorne. Aber Du merkst ja selbst, da ist so viel wenn und aber dabei, dass es nichts bringt, sich solche Ziele zu stecken. Wichtig ist der Turnierstart, und dann einfach von Spiel zu Spiel „100% plus X“ geben.

Erwin Plattenberger: Ah, okay. Das ist mir aber wieder viel zu kompliziert und rational. 1996 in Atlanta ist doch der Frank Busemann Zweiter geworden, den hatte keiner auf dem Schirm, und der hat mit Sicherheit nicht so viel rumgerechnet, und dann stand er fast ganz oben auf dem Treppchen. Ich glaube, der hatte einfach einen Traum, und der ist in Erfüllung gegangen, ohne zu planen, zu rechnen und so.

Kristin (lacht): Ich frag‘ ihn mal, wenn ich ihn sehen, vielleicht läuft er ja als Trainer im Olympischen Dorf rum.

Erwin Plattenberger: Wann fliegst Du denn nach London?

Kristin: Am 25 Juli.

Erwin Plattenberger: Und zurück?

Kristin (halb ironisch, halb ernst): Nicht vor der Siegereherung im Einzel oder in der Mannschaft!

Erwin Plattenberger: Das gefällt mir. Das ist die richtige Einstellung. Ich drücke Dir die Daumen. Vielleicht schaue ich mal im Olympischen Dorf vorbei, aber wahrscheinlich hast Du dann keine Zeit für ein Interview, oder?

Kristin: Doch, ein paar Minuten mit Sicherheit. Nur jetzt muss ich los. Ich habe noch eine Sondereinheit Balleimertraining. Vorhandtopspin aus Mitte Tisch. Bis bald!

 

Und noch ehe Erwin Plattenberger etwas erwidern kann, ist Kristin schon aus dem Raum gehuscht, um Ihren Vorhandtopspin aus Tischmitte zu trainieren [Hinweis der Redaktion: Kristin zieht oft die Bälle von dort ins Aus, weil sie sich zu sehr bei der Bewegung Richtung Tischmitte aufrichtet]

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Coming soon – Analyse von Kristins Spiel: Welche drei Fehler muss sie abschalten, und welche Stärken muss sie radikal ausspielen, um in London ganz vorne mitzumischen.

 

 

 

 

gelesen 6883 mal letzte Änderung: Samstag, 07 Juli 2012 20:55